Definition
Der Sichtbarkeitsindex ist eine von Werkzeuganbietern berechnete Kennzahl für die Präsenz einer Domain in den organischen Google-Ergebnissen. Grundlage ist eine feste Menge von Suchbegriffen, für die regelmäßig erhoben wird, welche Domain auf welcher Position steht. Jede gefundene Platzierung wird nach dem Suchvolumen des Begriffs und der erwarteten Klickwahrscheinlichkeit der Position gewichtet. Die Summe aller gewichteten Platzierungen einer Domain ergibt ihren Sichtbarkeitsindex. Der Wert misst damit Präsenz in Ergebnislisten, nicht den tatsächlichen Verkehr auf der Website.
Warum das zählt
Der Sichtbarkeitsindex ist die gebräuchlichste Größe, um die Entwicklung einer Website über Monate hinweg zu beurteilen und mit Wettbewerbern zu vergleichen. Weil er seit Einführung nach unveränderter Methode auf einer gleich aufgebauten Begriffsmenge berechnet wird, bleibt er über die Zeit vergleichbar. Zahlen aus der Google Search Console schwanken dagegen mit der tatsächlichen Nachfrage, also mit Saison, Werbedruck und Nachrichtenlage.
Praktisch wird das nach jedem Core Update. Der Verlauf zeigt sofort, ob nur die eigene Domain verloren hat oder die ganze Branche. Wie sich ein Einbruch einordnen lässt, steht im Ratgeber zum Google Core Update.
Ebenso wichtig ist, was der Sichtbarkeitsindex nicht ist: kein Umsatz, kein Verkehr, keine Anfragen. Ein steigender Wert ist ein Hinweis darauf, dass sich Platzierungen verbessern. Mehr sagt er nicht aus.
Wie es funktioniert
SISTRIX legt die eigene Berechnung offen und beschreibt sie in drei Schritten: Daten sammeln, Datenpunkte gewichten, Werte zum Index aufsummieren. Dabei nennt der Anbieter je Land konkrete Größen: erhoben werden die Ergebnisse zu einer Million Suchanfragen, je Suchanfrage in der Regel 100 Treffer. Das ergibt rund 100 Millionen Datenpunkte je Erhebung. Über alle Domains hinweg werden 100.000 Sichtbarkeitspunkte verteilt.
Vereinfacht dargestellt:
Datenpunkt = Domain X rankt für Begriff Y auf Position Z
Gewichtung = aus Suchvolumen von Y und Klickwahrscheinlichkeit von Z
Sichtbarkeit = Summe aller gewichteten Datenpunkte einer Domain
Die Klickwahrscheinlichkeit ist dabei nicht für jede Position ein fester Wert. Sie hängt zusätzlich von der Suchintention ab. Zielt eine Suche auf eine bestimmte Website, klicken die meisten Nutzer nur auf den ersten Treffer, bei einer Informationssuche verteilen sich die Klicks über mehrere Positionen.
Aus dieser Bauweise folgen vier Eigenschaften, die man kennen sollte.
Der Wert ist anbieterspezifisch. Verschiedene Werkzeuge nutzen verschiedene Begriffsmengen, Länderabdeckungen und Gewichtungen. Werte unterschiedlicher Anbieter lassen sich nicht ineinander umrechnen und nicht miteinander vergleichen.
Nischenbegriffe fehlen. Was nicht in der Begriffsmenge des Anbieters steht, taucht im Wert nicht auf. Gerade sehr spezielle Fachbegriffe mit geringem Volumen fehlen regelmäßig.
Wenige Begriffe können dominieren. Ein einzelner Begriff mit hohem Volumen bewegt den Wert stärker als fünfzig Fachbegriffe zusammen. Position acht bei einem stark nachgefragten Begriff zählt mehr als Position eins bei einem selten gesuchten.
Der Takt ist nicht überall gleich. SISTRIX berechnet den Wert für dreizehn Länder mit Desktop- und Mobildaten seit 2016 täglich neu, für über 35 weitere Länder wöchentlich und nur auf Mobilbasis. Verläufe verschiedener Länder haben also nicht dieselbe Auflösung.
In der Praxis
Für Unternehmen in engen Fachnischen fällt der Sichtbarkeitsindex oft enttäuschend niedrig aus, obwohl die Website geschäftlich gut funktioniert. Der Grund liegt in der Begriffsmenge. Wer für dreißig sehr spezielle Begriffe auf Platz eins steht, die alle geringes Volumen haben, bekommt einen kaum messbaren Wert und trotzdem gute Anfragen. SISTRIX benennt diese Grenze selbst und empfiehlt für Longtail- und regionale Begriffe einen eigenen Projekt-Sichtbarkeitsindex auf Basis der eigenen Begriffsliste. Für Anbieter mit kleinem, klar umrissenem Markt ist das der bessere Steuerungswert.
Deshalb sollte der Sichtbarkeitsindex nie allein stehen. Sinnvoll ist eine Kombination aus vier Größen mit klarer Arbeitsteilung.
| Kennzahl | Quelle | Was sie misst | Wofür sie taugt |
|---|---|---|---|
| Sichtbarkeitsindex | Werkzeuganbieter | Gewichtete Platzierungen in einer festen Begriffsmenge | Langfristiger Verlauf, Wettbewerbsvergleich, Core-Update-Prüfung |
| Projekt-Sichtbarkeit | Werkzeuganbieter, eigene Begriffsliste | Platzierungen für genau die Begriffe, die Sie ausgewählt haben | Steuerung in der Nische, Erfolgskontrolle einzelner Seiten |
| Klicks und Impressionen | Google Search Console, Leistungsbericht | Gemessene Einblendungen und Klicks der eigenen Domain | Tatsächliche Nachfrage, Suchanfragen, einzelne URLs |
| Anfragen und Aufträge | Eigenes CRM oder Formularsystem | Was am Ende im Unternehmen ankommt | Wirtschaftliche Bewertung der gesamten Arbeit |
Der Leistungsbericht der Search Console liefert die vier Messwerte Klicks, Impressionen, Klickrate und durchschnittliche Position. Die Standardansicht zeigt die letzten drei Monate, andere Zeiträume lassen sich auswählen. Für Verläufe über mehrere Jahre und für fremde Domains reicht der Bericht trotzdem nicht, und genau diese Lücke füllt der Sichtbarkeitsindex.
Beim Wettbewerbsvergleich ist der Sichtbarkeitsindex wirklich nützlich, weil er für alle Beteiligten nach derselben Methode berechnet wird. Legen Sie die Verläufe von drei bis fünf Wettbewerbern in ein Diagramm, über mindestens zwölf Monate. Marktverschiebungen werden so sichtbar, bevor sie die eigenen Anfragen erreichen.
Häufige Fehler
Den Wert als Verkehr lesen. Der Sichtbarkeitsindex misst Präsenz in Ergebnislisten, nicht Besuche. SISTRIX selbst stellt klar, dass es kein Traffic-Index ist und auch keiner sein will.
Werte verschiedener Anbieter vergleichen. Unterschiedliche Begriffsmengen und Gewichtungen ergeben unterschiedliche Zahlen für dieselbe Website. Ein Wechsel des Werkzeugs erzeugt einen Sprung in der Kurve, der nichts mit der Website zu tun hat.
Kurze Zeiträume bewerten. Schwankungen von Woche zu Woche sind normal, auch weil Begriffe im Set regelmäßig ausgetauscht werden. Aussagekräftig sind Verläufe über mindestens drei Monate.
In der Nische danach steuern. Wer nur auf den Wert optimiert, bevorzugt Begriffe mit Volumen statt Begriffe mit Kunden. Das Ergebnis ist eine schöne Kurve ohne zusätzliche Aufträge.
Einen Nullwert als Fehler deuten. Eine neue Domain erscheint erst, sobald sie für mindestens einen Begriff aus der Menge des Anbieters in den Top 100 auftaucht. Bis dahin ist der Wert null, auch wenn die Website längst online und indexiert ist.
Abgrenzung
Der Sichtbarkeitsindex ist nicht dasselbe wie Domain Authority oder Domain Rating. Diese beiden beschreiben die geschätzte Stärke eines Verweisprofils, der Sichtbarkeitsindex dagegen erhobene Platzierungen. Keine dieser drei Kennzahlen stammt von Google. Alle sind Erzeugnisse von Werkzeuganbietern und fließen nicht in die Bewertung durch Google ein.
Vom Share of Model unterscheidet sich der Sichtbarkeitsindex grundlegend. Der eine misst Positionen in Trefferlisten, der andere Nennungen in erzeugten Texten. Beide Werte lassen sich nicht ineinander umrechnen und sollten nebeneinander geführt werden. Dasselbe gilt für die Prompt-Sichtbarkeit, die je Frage prüft, ob und wie eine Marke in der Antwort vorkommt.
Auch bei Google selbst deckt der klassische Sichtbarkeitsindex nicht mehr das ganze Bild ab. Er zählt Positionen in der Ergebnisliste, nicht Nennungen in AI Overviews. Google führt für diesen Teil einen eigenen Leistungsbericht zu generativer KI, der Daten zu den Funktionen „Übersichten mit KI“ und „KI-Modus“ ausweist. Google stellt diesen Bericht nach eigener Angabe zunächst nur einem Teil der Websiteinhaber bereit und weist darin ausschließlich Impressionen aus, keine Klicks. Wer wissen will, wie sich beide Welten nebeneinander messen lassen, findet die Vorgehensweise im Ratgeber zum Messen der KI-Sichtbarkeit.

Geschrieben von
Marcel Speckmann
Geschäftsführer der Speckmann Webdesign GmbH in Oldenburg. Ich arbeite an Suchmaschinenoptimierung, KI-Sichtbarkeit und den Websites, die dafür die Grundlage sind. Was hier steht, stammt aus laufenden Projekten, nicht aus Lehrbüchern.
Dazu passt
Wie wir Inhalte planen, aufbauen und laufend nachschärfen, steht auf der Seite zur Suchmaschinenoptimierung.