Fünf Kartonplatten auf steigenden Höhen, verbunden durch gespannte Messingfäden, Sinnbild für Messung von KI-Sichtbarkeit

Warum Einzelabfragen in die Irre führen

Wer einmal ChatGPT nach der besten Agentur in seiner Stadt fragt und den eigenen Namen liest, hält das leicht für ein Ergebnis. Es ist keins.

Sprachmodelle erzeugen Antworten mit einem Zufallsanteil. Zwei identische Anfragen liefern unterschiedliche Formulierungen und oft unterschiedliche Nennungen. Dazu kommen Unterschiede je nach Konto, Sprache, Region und ob das Modell im Moment der Anfrage das Web durchsucht oder aus dem Training antwortet.

Eine Studie von SparkToro und Gumshoe aus dem Januar 2026 hat systematisch gezeigt, dass Antworten von KI-Systemen auf identische Fragen erheblich schwanken. Wer daraus einzelne Stichproben zieht, misst Rauschen.

Eine Untersuchung zum nicht deterministischen Verhalten von Sprachmodellen hat das sogar unter kontrollierten Bedingungen nachgewiesen: bei Temperatur 0, top-p 1, festem Startwert und identischer Technik, über fünf Modelle, acht Aufgaben und zehn Durchläufe. Gemessen wurden Genauigkeitsschwankungen von bis zu 15 Prozent und Abstände von bis zu 70 Prozent zwischen bestem und schlechtestem Durchlauf.

Das gilt in beide Richtungen: Eine einzelne Antwort ohne Ihre Nennung bedeutet ebenso wenig wie eine mit.

Die Methode: Prompt-Sets

Belastbar wird es mit einem festen Satz von Fragen, der über Zeit gleich bleibt.

Schritt eins: Fragen sammeln. Zwanzig bis fünfzig Formulierungen, die Ihre Kunden tatsächlich verwenden würden. Nicht Ihren Firmennamen, sondern Ihr Problem: „Wer kann in Oldenburg eine Website für Industrieunternehmen bauen“ statt „Speckmann Webdesign“. Die Namensabfrage prüft nur, ob das Modell Sie kennt, nicht ob es Sie empfiehlt.

Schritt zwei: Systematisch abfragen. Jede Frage über mehrere Modelle: ChatGPT, Perplexity, Google AI Overviews, Google AI Mode. Die Unterschiede sind erheblich, weil die Systeme unterschiedliche Quellen bevorzugen.

Schritt drei: Auswerten. Gezählt wird der Anteil der Antworten mit Ihrer Nennung, welche Wettbewerber genannt werden und welche Quellen die Modelle zitieren. Die dritte Zahl ist die wertvollste: Sie zeigt, wo Sie vorkommen müssten.

Schritt vier: Wiederholen. Monatlich, mit demselben Satz. Erst die Veränderung über Zeit ist eine Aussage.

Welche Werkzeuge es gibt

Der Markt für Messwerkzeuge ist jung und unübersichtlich. Grob gibt es drei Gruppen.

Etablierte SEO-Anbieter mit KI-Modul. SISTRIX etwa bietet eine Auswertung, die zeigt, bei welchen Anfragen eine Marke oder Domain in KI-Antworten auftaucht, aufgeschlüsselt nach Modell und Land. Der Vorteil liegt in der Datenbasis und darin, dass klassische Sichtbarkeit und KI-Nennungen nebeneinander stehen.

Spezialisierte Werkzeuge. Eine Reihe neuer Anbieter misst ausschließlich KI-Sichtbarkeit, oft mit eigenen Prompt-Sets. Sie sind meist flexibler bei der Definition der Fragen, ihre historischen Daten reichen aber selten weit zurück.

Eigene Messung. Über die Programmierschnittstellen der Anbieter lässt sich ein Prompt-Set automatisiert abfragen und protokollieren. Das ist aufwendiger, dafür haben Sie die volle Kontrolle über die Fragen.

Für die meisten Unternehmen ist die erste Gruppe der pragmatische Einstieg.

Die drei Werkzeuggruppen im Überblick

WerkzeuggruppeStärkeSchwächeGeeignet für
SEO-Anbieter mit KI-ModulDatenbasis, SEO und KI nebeneinanderFragen liegen weitgehend festEinstieg und laufenden Betrieb
Spezialisierte KI-WerkzeugeFragen frei bestimmbarWenig VergangenheitsdatenGenauere Einzelanalysen
Eigene Messung über SchnittstellenVolle KontrolleAufwand und PflegeAgenturen und eigene Teams

Welche Kennzahlen sinnvoll sind

Vier Werte haben sich als brauchbar erwiesen.

Nennungsquote. Anteil der Antworten, in denen Sie vorkommen, bezogen auf das gesamte Prompt-Set. Die wichtigste Einzelzahl.

Nennungsquote je Modell. Getrennt für ChatGPT, Perplexity und Google, weil die Systeme unterschiedliche Quellen bevorzugen. Wer nur bei einem auftaucht, hat ein Quellenproblem.

Wettbewerbsanteil. Wer wird stattdessen genannt und wie oft? Daraus ergibt sich, ob es überhaupt einen etablierten Anbieterkreis gibt.

Zitierte Quellen. Aus welchen Seiten schöpfen die Modelle bei Ihren Fragen? Das ist die konkreteste Arbeitsanweisung, die es gibt: Wenn dieselben drei Vergleichslisten immer wieder auftauchen, wissen Sie, wo Sie vorkommen sollten.

Was Sie nicht messen sollten, ist die Position innerhalb einer Antwort. Sie schwankt zu stark, um daraus etwas abzuleiten.

Marcel Speckmann

Geschrieben von

Marcel Speckmann

Geschäftsführer der Speckmann Webdesign GmbH in Oldenburg. Ich arbeite an Suchmaschinenoptimierung, KI-Sichtbarkeit und den Websites, die dafür die Grundlage sind. Was hier steht, stammt aus laufenden Projekten, nicht aus Lehrbüchern.

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Dazu passt

Die Messung ist der erste Schritt unserer Arbeit an KI-Sichtbarkeit. Was danach kommt, steht auf der Leistungsseite.

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Häufige Fragen

Das werden wir oft gefragt

Wie oft sollte ich messen?

Monatlich. Häufiger erzeugt nur Rauschen, seltener übersieht Veränderungen. Wichtig ist, den Fragensatz konstant zu halten. Wer die Fragen laufend ändert, kann keine Entwicklung erkennen.

Wie viele Fragen braucht ein Prompt-Set?

Zwanzig bis fünfzig sind für die meisten Unternehmen ausreichend. Weniger als zehn liefern zu unsichere Werte, mehr als hundert erhöhen den Aufwand, ohne die Aussage wesentlich zu verbessern. Entscheidend ist die Qualität der Fragen, nicht die Menge.

Kann ich Nennungen in KI-Antworten in Besucher umrechnen?

Nur eingeschränkt. Perplexity und Google AI verlinken Quellen, diese Klicks tauchen in Ihrer Statistik als Verweis auf. ChatGPT verlinkt je nach Modus, oft ohne dass ein messbarer Besuch entsteht. Ein Teil der Wirkung besteht ohnehin darin, dass jemand Ihren Namen liest und später direkt sucht.

Warum reicht es nicht, Temperatur und Startwert festzulegen?

Selbst unter kontrollierten Bedingungen antworten Sprachmodelle nicht vollständig gleich. Ein Test mit festem Startwert, Temperatur 0 und top-p 1 zeigte über fünf Modelle und acht Aufgaben Genauigkeitsschwankungen von bis zu 15 Prozent, nachzulesen in der Untersuchung zum nicht deterministischen Verhalten von Sprachmodellen. Für die Messung heißt das: Nur wiederholte Durchläufe über einen festen Fragensatz liefern belastbare Werte.

Welche Modelle gehören in eine Messung?

Sinnvoll ist die Abdeckung der drei wichtigsten Antwortsysteme: ChatGPT, Perplexity und Google mit AI Overviews und AI Mode. Diese drei bilden den Großteil der heutigen Nutzung ab und greifen auf unterschiedliche Quellen zurück. Wer nur ein Modell misst, sieht einen Ausschnitt, und das Ergebnis lässt sich nicht auf die anderen übertragen.

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