Definition

Prompt-Sichtbarkeit ist eine Kennzahl der KI-Sichtbarkeit, die erfasst, ob und wie häufig ein Unternehmen in den Antworten von KI-Systemen auf vollständig formulierte Fragen genannt wird. Gemessen wird sie über einen festen Fragenkatalog, der wiederholt an mehrere Systeme gestellt wird; ausgewertet wird der Anteil der Antworten mit einer Nennung, nicht eine Rangposition. In der Bewertung von KI-Kanälen tritt sie an die Stelle der Betrachtung einzelner Suchbegriffe.

Warum das zählt

Wer eine Suchmaschine benutzt, tippt ein paar Wörter. Wer ein KI-System fragt, formuliert einen ganzen Satz. Google nennt dazu eine Zahl: Ein Jahr nach dem Start des KI-Modus in den USA ist dort eine Anfrage im KI-Modus im Schnitt dreimal so lang wie eine klassische Suchanfrage. Im selben Beitrag vom 19. Mai 2026 nennt Google weltweit über eine Milliarde monatlich aktive Nutzer für den KI-Modus.

In Googles Dokumentation zu den KI-Funktionen der Suche steht, wofür Nutzer den KI-Modus einsetzen: für Fragen, bei denen Erkundung, Abwägung oder komplexe Vergleiche nötig sind. Sie stellen dort Fragen, für die früher mehrere Suchen nacheinander nötig gewesen wären. Die Antwortfläche über den klassischen Treffern, das AI Overview, folgt derselben Logik.

Das verändert, worauf optimiert werden muss. Eine Seite zum Suchbegriff „Zeiterfassung Software“ deckt die Frage „Welche Zeiterfassung passt für einen Handwerksbetrieb mit zwölf Mitarbeitern und Baustelleneinsätzen?“ nicht ab. Genau solche Fragen werden aber gestellt. Sie nennen Randbedingungen und zeigen damit mehr Kaufabsicht als das einzelne Wort.

Wie es funktioniert

Der Wechsel von Suchbegriffen zu ganzen Fragen hat vier praktische Folgen.

Die Frage wird zerlegt, nicht als Ganzes gesucht. Google beschreibt das Verfahren als „query fan-out“, also als Auffächern der Anfrage: Das System startet mehrere zusammenhängende Suchen zu Teilthemen und Datenquellen und baut daraus eine Antwort. Es gibt deshalb keine feste Zuordnung von einer Frage zu einer Seite. Eine einzelne Seite kann einen Teilaspekt beisteuern, ohne die ganze Frage zu beantworten.

Es gibt kein Suchvolumen. Niemand veröffentlicht, wie oft eine bestimmte Frage gestellt wird. Auch der KI-Leistungsbericht der Search Console, den Google am 3. Juni 2026 angekündigt hat, führt keine einzelnen Fragen auf.

AngabeIm KI-Leistungsbericht enthalten
Impressionen in KI-Funktionenja, als einzige Kennzahl
Seiten, also die verlinkten URLsja
Länder und Geräteja
Zeitverlaufja
Einzelne Fragen oder Promptsnein
Andere KI-Systeme wie ChatGPT oder Perplexitynein

Der Bericht zählt also die Impression, das Erscheinen einer URL in einer KI-Antwort.

Dieselbe Absicht wird sehr unterschiedlich formuliert. SparkToro und Gumshoe.ai haben dazu 142 selbst formulierte Fragen zur gleichen Aufgabe ausgewertet, nämlich Kopfhörer für ein reisendes Familienmitglied zu finden. Die semantische Ähnlichkeit dieser Formulierungen lag im Schnitt bei 0,081, war also sehr gering. Die KI-Systeme erkannten die gemeinsame Absicht trotzdem und nannten einen weitgehend gleichen Kreis von Marken. Für die Praxis heißt das: Sie optimieren auf die Absicht hinter der Frage, nicht auf ihren Wortlaut.

Antworten sind nicht reproduzierbar. In derselben Untersuchung liefen zwölf Fragen über ChatGPT, Claude und Googles KI-Antworten, insgesamt 2.961 Durchläufe durch 600 Freiwillige. Die Wahrscheinlichkeit, bei 100 Durchläufen zweimal dieselbe Markenliste zu erhalten, lag unter 1 zu 100. Für dieselbe Liste in derselben Reihenfolge lag sie unter 1 zu 1.000.

Gemessen wird deshalb nicht einmalig, sondern über einen festen Fragenkatalog, der wiederholt an mehrere Systeme gestellt wird. Die daraus gebildete Kennzahl ist der Share of Model, also der Anteil der Antworten, in denen Ihr Unternehmen vorkommt.

In der Praxis

Eine Messung der Prompt-Sichtbarkeit läuft in fünf Schritten ab.

1. Fragen sammeln. Die beste Quelle ist Ihr eigener Posteingang, die zweitbeste der Vertrieb mit den immer gleichen Rückfragen aus Erstgesprächen. Dort stehen die Fragen in der Sprache der Kunden, nicht in der des Marketings. Übernehmen Sie den Wortlaut, glätten Sie ihn nicht.

2. Nach Absicht sortieren. Die Suchintention entscheidet, was eine Antwort überhaupt hergeben muss.

FragetypBeispielWas die Seite dafür bieten muss
DefinitionsfrageWas ist mobile Zeiterfassung?eine kurze, klare Begriffsklärung gleich am Anfang
VergleichsfrageWelche Zeiterfassung passt für zwölf Mitarbeiter mit Baustelleneinsätzen?Werte, Grenzen und die Angabe, für wen die Lösung nicht taugt
AnbieterfrageWer bietet Zeiterfassung für Handwerksbetriebe an?Nennungen in Fachmedien, Verbänden und Portalen
AnwendungsfrageWie rechne ich Baustellenzeiten korrekt ab?einen Ablauf in nummerierten Schritten mit konkreten Werten

Nehmen Sie dabei auch die Fragen auf, bei denen bisher andere genannt werden. Ein Katalog, der nur Ihre Stärken abfragt, misst nichts.

3. Umfang und Wiederholung festlegen. Die Autoren der genannten Untersuchung empfehlen 60 bis 100 Durchläufe je Frage und System, bevor man aus dem Ergebnis etwas ableitet. Wer seltener misst, misst vor allem Zufall.

4. Als Anteil auswerten. Halten Sie je System und Frage fest, in wie viel Prozent der Antworten Ihr Unternehmen genannt wurde. Eine belastbare Rangposition entsteht dabei nicht, weil die Reihenfolge zwischen zwei Durchläufen praktisch nie gleich bleibt.

5. In festem Rhythmus wiederholen. Antworten verändern sich mit jeder Modellaktualisierung. Zwei Messungen sind nur vergleichbar, wenn Katalog, Systeme und Zahl der Durchläufe unverändert bleiben. Wie eine solche Messung im Detail aufgesetzt wird, steht im Ratgeber KI-Sichtbarkeit messen.

Ein Befund ist dabei unbequem. Bei Vergleichs- und Anbieterfragen verweisen die Systeme häufig auf Seiten Dritter, auf Fachmedien, Verbände und Portale. Googles Dokumentation beschreibt ausdrücklich, dass die KI-Funktionen eine breitere und vielfältigere Auswahl an Links zeigen als eine klassische Suche. Prompt-Sichtbarkeit lässt sich deshalb nicht allein auf der eigenen Website herstellen.

Häufige Fehler

Eine Rangposition ausweisen. Werkzeuge, die einen „Platz 3 in ChatGPT“ melden, geben eine Genauigkeit vor, die es nicht gibt: Dieselbe Liste in derselben Reihenfolge tritt seltener als einmal in 1.000 Durchläufen auf.

Einmal messen und dann aufhören. Ein einzelner Durchlauf ist eine Momentaufnahme, keine Kennzahl. Ohne Wiederholung bleibt offen, ob sich Ihre Sichtbarkeit verändert hat oder nur die Antwort.

Suchbegriffe als Fragen tarnen. „Zeiterfassung Software Preis“ mit einem Fragezeichen dahinter ist keine Frage, wie sie jemand stellen würde.

Für jede Formulierung eine eigene Seite bauen. Das führt zu vielen fast gleichen Seiten und damit zu Thin Content.

Auf eine technische Abkürzung hoffen. Google schreibt in der Dokumentation zu den KI-Funktionen, dass für die Aufnahme keine neuen maschinenlesbaren Dateien, KI-Textdateien oder zusätzlichen Auszeichnungen nötig sind. Eine Datei wie llms.txt ersetzt inhaltliche Arbeit also nicht.

Abgrenzung

Prompt-Sichtbarkeit ersetzt die Keyword-Recherche nicht. Für die klassische Suche bleibt sie die Grundlage, weil dort weiterhin kurze Suchbegriffe eingegeben werden. Beide Sichtweisen laufen nebeneinander.

Von der Zitierfähigkeit unterscheidet sich Prompt-Sichtbarkeit in der Ebene. Zitierfähigkeit ist eine Eigenschaft des Textes, also wie leicht eine Aussage übernommen werden kann. Prompt-Sichtbarkeit ist ein gemessenes Ergebnis, das sich unter anderem daraus ergibt.

Auch von Generative Engine Optimization ist der Begriff zu trennen. Generative Engine Optimization bezeichnet die Maßnahmen, mit denen Inhalte für KI-Systeme aufbereitet werden. Prompt-Sichtbarkeit ist der Maßstab, an dem sich zeigt, ob diese Maßnahmen gewirkt haben.

Marcel Speckmann

Geschrieben von

Marcel Speckmann

Geschäftsführer der Speckmann Webdesign GmbH in Oldenburg. Ich arbeite an Suchmaschinenoptimierung, KI-Sichtbarkeit und den Websites, die dafür die Grundlage sind. Was hier steht, stammt aus laufenden Projekten, nicht aus Lehrbüchern.

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Dazu passt

Wie wir prüfen, ob und wo Sie in KI-Antworten vorkommen, und was daraus an Maßnahmen folgt, steht auf der Leistungsseite.

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Häufige Fragen

Das werden wir oft gefragt

Woher bekomme ich die Fragen für den Katalog?

Aus Kundenanfragen, aus Erstgesprächen und aus dem Vertrieb. Diese Quellen liefern die Formulierungen, die Kunden tatsächlich verwenden. Ergänzend helfen die weiterführenden Fragen, die KI-Systeme am Ende einer Antwort selbst vorschlagen.

Gibt es Suchvolumen für Prompts?

Nein, jedenfalls nicht öffentlich. Die Anbieter veröffentlichen keine Zahlen dazu, wie häufig eine bestimmte Frage gestellt wird. Priorisiert wird deshalb nach Relevanz für das eigene Geschäft, nicht nach Volumen.

Wie oft muss ich dieselbe Frage stellen, damit das Ergebnis etwas aussagt?

Die Untersuchung von SparkToro und Gumshoe.ai empfiehlt 60 bis 100 Durchläufe je Frage und System. Grund ist die geringe Reproduzierbarkeit: Bei 100 Durchläufen liegt die Wahrscheinlichkeit für zweimal dieselbe Markenliste unter 1 zu 100.

Muss ich für jede Frage eine eigene Seite bauen?

Nein, das führt zu vielen dünnen Seiten. Besser ist eine Seite, die ein Thema vollständig behandelt und dabei die verschiedenen Randbedingungen ausdrücklich benennt, etwa in einem Abschnitt dazu, für wen die Lösung geeignet ist und für wen nicht.