Definition

Thin Content ist eine Sammelbezeichnung für Webseiten, die dem Leser keinen eigenständigen Nutzen bieten, weil sie Vorhandenes wiederholen, an der Oberfläche bleiben oder erkennbar für Suchmaschinen statt für Menschen erstellt wurden. Maßgeblich ist nicht die Textlänge, sondern der fehlende eigene Beitrag. Solche Seiten schaffen es oft nicht in den Google-Index und tauchen in der Google Search Console mit dem Status „Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert“ auf. Ein hoher Anteil dünner Seiten kann zusätzlich belasten, wie Google die Website als Ganzes einschätzt.

Warum das zählt

Der wichtigste Punkt wird oft missverstanden: Es geht nicht um Länge. Eine Seite mit zweihundert Wörtern, die eine Frage vollständig beantwortet, ist kein Thin Content. Eine mit zweitausend Wörtern, die um das Thema herumredet, ist es.

Der Schaden entsteht auf zwei Wegen. Direkt, weil solche Seiten nicht in den Index kommen und damit für kein Suchergebnis in Frage kommen. Indirekt, weil Google die Website nicht nur seitenweise beurteilt. In den Hinweisen zu den Core-Updates fordert Google ausdrücklich, zu prüfen, ob die Website insgesamt und nicht nur die einzelne Seite hilfreiche, verlässliche und für Menschen gemachte Inhalte liefert.

Wichtig für die Erwartungshaltung ist der Zeitraum. Google schreibt zu denselben Hinweisen, manche Änderungen könnten sich innerhalb weniger Tage auswirken, es könne aber mehrere Monate dauern, bis die Systeme bestätigen, dass eine Website als Ganzes nun hilfreiche Inhalte liefert. Aufräumen ist also keine Maßnahme mit Wirkung in der nächsten Woche. Was bei einem Update im Einzelnen passiert, steht im Ratgeber zum Google Core Update.

Wie es funktioniert

In der Praxis fallen vor allem fünf Muster darunter. Drei davon haben in den Spam-Richtlinien für die Google Websuche einen eigenen Namen und können eine manuelle Maßnahme nach sich ziehen, die übrigen sind reine Qualitätsprobleme.

MusterWoran Sie es erkennenEinordnung bei Google
Ortsseiten nach VorlageDerselbe Text mit ausgetauschtem Ortsnamen, oft dutzendfachBrückenseiten, in den Spam-Richtlinien „Doorway abuse“
Übernommene HerstellertexteProduktbeschreibung steht wortgleich auf hunderten WebsitesOhne eigenen Beitrag, im Affiliate-Fall „Thin affiliation“
Massenhaft erzeugte SeitenViele Seiten nach identischem Bauplan, auch maschinell erstellt„Scaled content abuse“, also Missbrauch durch skalierte Inhalte
Angelegte, nie gefüllte SeitenÜberschrift und drei Zeilen, meist Kategorien und ÜbersichtenKein Regelverstoß, aber ohne eigenständigen Nutzen
Beiträge ohne eigene AussageReferiert nur, was andere schon geschrieben habenWarnzeichen der Selbsteinschätzung zu hilfreichen Inhalten

Die letzte Zeile greift eine Warnfrage aus Googles eigenem Fragenkatalog auf. Eine der Warnfragen in den Hinweisen zu hilfreichen Inhalten lautet sinngemäß, ob Sie überwiegend zusammenfassen, was andere sagen, ohne viel Eigenes hinzuzufügen. Eine zweite fragt, ob Sie viele Inhalte zu vielen Themen produzieren in der Hoffnung, dass irgendetwas davon rankt.

Sichtbar wird das Ergebnis im Bericht zur Seitenindexierung der Search Console. Der typische Befund lautet „Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert“. Google erklärt diesen Status damit, dass die Seite gecrawlt, aber nicht indexiert wurde und möglicherweise später indexiert wird. Das Abrufen durch den Googlebot, also das Crawling, hat demnach stattgefunden. Die Aufnahme in den Index ist unterblieben. Davon zu unterscheiden ist der Status „Gefunden, zurzeit nicht indexiert“: Dort war Google noch gar nicht auf der Seite, laut Dokumentation zum Bericht zur Seitenindexierung meist aus Rücksicht auf die Serverlast.

In der Praxis

Ein Aufräumen dünner Seiten läuft in sechs Schritten ab. Die Reihenfolge ist wichtig, weil sonst Seiten verschwinden, die aus anderen Gründen gebraucht werden.

1. Bestand erfassen. Ziehen Sie alle Adressen aus Ihrer XML-Sitemap und stellen Sie sie dem Bericht zur Seitenindexierung gegenüber. Interessant sind die Adressen, die in der Sitemap stehen, aber nicht im Index sind.

2. Nach Nachfrage sortieren. Sortieren Sie im Leistungsbericht der Search Console alle Seiten nach Impressionen der letzten zwölf Monate. Seiten mit nahezu null Impressionen und null Klicks bilden den Kandidatenpool.

3. Zweck je Seite benennen. Prüfen Sie jede Kandidatenseite einzeln, nie pauschal. Die Leitfrage lautet: Welche Suchintention bedient diese Seite, und beantwortet sie die zugehörige Frage vollständig? Kontaktformulare, Impressum oder Bestellstrecken haben von Natur aus wenig Impressionen und bleiben unangetastet.

4. Entscheiden. Verbessern ist der Regelfall und lohnt bei Seiten mit sinnvollem Thema und zu dünner Ausführung. Zusammenlegen lohnt, wenn mehrere Seiten dasselbe streifen, was ohnehin oft mit Keyword-Kannibalisierung einhergeht. Löschen ist das letzte Mittel: Google formuliert es genau so und ergänzt, wer ganze Bereiche löschen wolle, habe diese vermutlich für Suchmaschinen und nicht für Menschen gebaut.

5. Technisch sauber umsetzen. Fällt eine Adresse weg, gehört eine Weiterleitung per Statuscode 301 auf die nächstpassende Seite darauf. Soll eine Seite bestehen bleiben, aber nicht ranken, etwa eine interne Übersicht, genügt eine Auszeichnung im Kopfbereich der Seite.

<!-- Seite bleibt erreichbar, aber nicht im Index -->
<meta name="robots" content="noindex, follow">

# Seite entfällt, Inhalt geht in einer Sammelseite auf (nginx)
location = /leistungen/fraesen-kleinserie {
  return 301 /leistungen/fraesen;
}

6. Ergebnis kontrollieren. Sehen Sie nach vier bis acht Wochen erneut in den Bericht zur Seitenindexierung. Die Indexierung reagiert zuerst: Die Zahl der Adressen unter „Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert“ sinkt, und die zusammengelegte Zielseite sammelt die Impressionen der aufgelösten Seiten ein. Die durchschnittliche Position dieser Zielseite bewegt sich in der Regel später, innerhalb des oben genannten Zeitrahmens. Bleibt auch die Indexierung unverändert, war das Problem nicht der Umfang, sondern die Passung zur Suchanfrage.

Vorbeugend hilft eine Regel, die unbequem ist: Keine Seite anlegen, deren Zweck sich nicht in einem Satz benennen lässt. Wenn die Antwort auf die Frage, welchem Leser diese Seite hilft, „für SEO“ lautet, sollte die Seite nicht entstehen.

Häufige Fehler

Auf Länge optimieren. Ein aufgeblähter Text bleibt dünn, wird aber zusätzlich unlesbar.

Pauschal löschen. Ohne Einzelprüfung fliegen regelmäßig funktionierende Seiten mit heraus. Google selbst nennt das Löschen ein letztes Mittel.

Ohne Weiterleitung entfernen. Verweise, Lesezeichen und verlinkende Websites laufen dann ins Leere.

Herstellerbeschreibungen übernehmen. Derselbe Text auf hundert Websites hat für keine davon eigenständigen Wert.

Ortsseiten aus einer Vorlage erzeugen. Das erkennbarste Muster überhaupt und laut Spam-Richtlinien ein Regelverstoß.

Noindex als Dauerlösung. Die Auszeichnung nimmt die Seite aus dem Index, nicht aus der Website. Wer sie weiter im Menü verlinkt, führt Besucher weiterhin auf eine Seite ohne Nutzen.

Abgrenzung

Thin Content ist nicht dasselbe wie doppelter Inhalt. Doppelter Inhalt heißt derselbe Text an mehreren Adressen und wird technisch über den Canonical Tag gelöst. Thin Content ist ein inhaltliches Problem und lässt sich technisch nicht beheben.

Thin Content ist auch nicht dasselbe wie eine kurze Seite. Kontaktseiten, Impressum und ähnliche Seiten sind kurz und trotzdem sinnvoll. Entscheidend ist der Zweck, nicht der Umfang.

Und Thin Content ist nicht automatisch Spam. Die meisten dünnen Seiten entstehen ohne Absicht und kosten nur Potenzial. Erst die skalierten Formen, also Brückenseiten, dünne Affiliate-Seiten und massenhaft erzeugte Seiten, fallen unter die Spam-Richtlinien und können eine manuelle Maßnahme auslösen.

Schließlich ist Thin Content kein reines Vertrauensproblem. Fehlende Erfahrung und Kompetenz im Sinne von E-E-A-T machen eine Seite schwach, obwohl sie inhaltlich ausgeführt ist. Thin Content dagegen führt das Thema gar nicht erst aus.

Marcel Speckmann

Geschrieben von

Marcel Speckmann

Geschäftsführer der Speckmann Webdesign GmbH in Oldenburg. Ich arbeite an Suchmaschinenoptimierung, KI-Sichtbarkeit und den Websites, die dafür die Grundlage sind. Was hier steht, stammt aus laufenden Projekten, nicht aus Lehrbüchern.

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Häufige Fragen

Das werden wir oft gefragt

Ab wie vielen Wörtern ist eine Seite nicht mehr dünn?

Es gibt keine solche Schwelle, und Google nennt in seiner Dokumentation auch keine. Entscheidend ist, ob die Seite die Frage, wegen der jemand kommt, vollständig beantwortet. Das kann mit dreihundert Wörtern gelingen und mit dreitausend misslingen.

Soll ich alte, schwache Beiträge löschen?

Nur nach Einzelprüfung. Google bezeichnet das Löschen von Inhalten in den Hinweisen zu den Core-Updates ausdrücklich als letztes Mittel, das nur in Frage kommt, wenn ein Inhalt nicht zu retten ist. Häufig ist Verbessern oder Zusammenlegen der bessere Weg. Wenn gelöscht wird, dann mit Weiterleitung auf die nächstpassende Seite.

Zählt KI-erzeugter Text automatisch als Thin Content?

Nein. Die Spam-Richtlinien bewerten nicht die Entstehungsweise, sondern das Ergebnis. Als Missbrauch durch skalierte Inhalte gilt dort, viele Seiten zu erzeugen, ohne den Nutzern einen Mehrwert zu bieten, ausdrücklich auch mit generativen KI-Werkzeugen. Ein maschinell erstellter Text, der eine Frage vollständig und belegt beantwortet, fällt nicht darunter.

Wie lange dauert es, bis das Aufräumen wirkt?

Google nennt in den Hinweisen zu den Core-Updates eine Spanne von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten, bis die Systeme bestätigen, dass eine Website als Ganzes hilfreiche Inhalte liefert. Wer nach einigen Monaten keine Veränderung sieht, muss laut Google unter Umständen bis zum nächsten Core-Update warten. Rechnen Sie deshalb in Quartalen, nicht in Wochen.