Definition

Der Canonical Tag ist ein Link-Element im Kopfbereich einer HTML-Seite, das die maßgebliche Adresse eines Inhalts benennt, wenn derselbe oder ein sehr ähnlicher Inhalt unter mehreren Adressen erreichbar ist. Suchmaschinen bündeln die Signale aller Varianten auf der benannten Adresse und zeigen in der Regel nur diese in den Ergebnissen. Die Angabe ist ein Hinweis und keine Anweisung: Google kann eine andere Adresse als maßgeblich einstufen. Geschrieben wird sie als rel="canonical", die zugehörige Adresse heißt kanonische URL.

Warum das zählt

Fast jede Website liefert denselben Inhalt unter mehreren Adressen aus, meist ohne dass es jemandem auffällt: mit und ohne www, über http und https, mit und ohne Schrägstrich am Ende, mit angehängten Parametern aus Werbekampagnen, über Filter und Sortierungen in Übersichten.

Für einen Besucher ist das folgenlos. Für eine Suchmaschine sind es zunächst verschiedene Adressen mit gleichem Inhalt. Google stuft doppelte Inhalte innerhalb einer Website ausdrücklich nicht als Verstoß gegen die Spam-Richtlinien ein. Es droht also keine Strafe. Der Schaden entsteht anders.

Erstens teilen sich die Signale auf. Verweise von außen und interne Verlinkung verteilen sich auf mehrere Adressen, statt eine stark zu machen. Zweitens wählt Google selbst eine Variante aus, wenn Sie keine benennen. Das kann die Adresse mit Kampagnenparametern sein, die dann in den Ergebnissen steht. Drittens kostet jede Variante Aufwand beim Crawling. Bei sehr ähnlichen Seiten kommt Keyword-Kannibalisierung hinzu, also die Konkurrenz eigener Seiten um dieselbe Suchanfrage.

Wie es funktioniert

Die Angabe steht im Kopfbereich der Seite und nennt die maßgebliche Adresse in vollständiger Schreibweise.

<head>
  <link rel="canonical" href="https://ihre-domain.de/leistungen/seo">
</head>

Fünf Regeln entscheiden darüber, ob die Angabe wirkt.

Jede Seite verweist auf sich selbst. Auch die maßgebliche Seite bekommt die Angabe, mit ihrer eigenen Adresse. Das verhindert, dass Varianten mit angehängten Parametern eigenständig gewertet werden.

Vollständige Adresse verwenden. Google empfiehlt absolute Adressen mit Protokoll und Domain statt relativer Pfade. Relative Angaben funktionieren zwar, führen bei Fehlkonfigurationen aber zu falschen Zielen.

Nur eine Angabe je Seite. Enthält eine Seite mehrere widersprüchliche Angaben, ignoriert Google nach eigener Aussage alle davon. Häufige Ursache sind ein SEO-Erweiterungsmodul und eine Vorlage, die beide eine Angabe einfügen.

Nur im Kopfbereich. Steht das Element im Rumpf der Seite, wird es verworfen. Google empfiehlt, es möglichst weit oben im Kopfbereich zu platzieren, damit es auch bei fehlerhaftem Quelltext sicher gelesen wird.

Das Ziel muss inhaltlich passen und erreichbar sein. Die benannte Adresse soll den Inhalt der Variante vollständig enthalten und mit Status 200 antworten, nicht mit einem Fehler oder einer leeren Seite.

Neben dem Link-Element gibt es weitere Wege, eine maßgebliche Adresse zu benennen.

VerfahrenWo es gesetzt wirdGewicht und Grenzen
Link-Element rel="canonical"Kopfbereich der HTML-SeiteStarkes Signal, funktioniert nur für HTML-Seiten
HTTP-Header Link rel="canonical"Antwort des ServersFür Dateien ohne Kopfbereich, etwa PDF- oder Word-Dateien
Eintrag in der SitemapXML-Datei der WebsiteLaut Google schwaches Signal, ersetzt das Link-Element nicht
Dauerhafte WeiterleitungKonfiguration des ServersLaut Google das stärkste Signal, der Inhalt ist unter der alten Adresse danach nicht mehr erreichbar

Google beschreibt die Kanonisierung als Auswahl aus mehreren Signalen: Auslieferung über https, Weiterleitungen, Aufnahme in die XML-Sitemap und das Link-Element. Ihre Angabe ist dabei eine Präferenz. Weichen die Seiten inhaltlich deutlich ab, entscheidet Google anders.

In der Praxis

Die Prüfung läuft in vier Schritten, am besten in dieser Reihenfolge.

Erstens den ausgelieferten Quelltext ansehen, also die Rohfassung der Seite. Suchen Sie nach rel="canonical" und zählen Sie die Treffer. Genau einer sollte es sein, und zwar im Kopfbereich.

Zweitens die Adresse aufrufen, die dort steht. Sie muss direkt mit Status 200 antworten, ohne Weiterleitung, ohne Fehlerseite.

Drittens das URL-Prüftool der Search Console nutzen. Es zeigt im Abschnitt „Seitenindexierung“ zwei Felder: „Vom Nutzer angegebene kanonische URL“ und „Von Google ausgewählte kanonische URL“. Stimmen beide überein, ist alles in Ordnung. Weichen sie ab, wurde Ihr Hinweis übergangen.

Viertens den Bericht zur Seitenindexierung durchsehen. Dort tauchen drei Statusmeldungen auf, die direkt mit dem Canonical Tag zu tun haben: „Alternative Seite mit richtigem kanonischen Tag“ ist der Normalfall und unbedenklich. „Duplikat – Google hat eine andere Seite als der Nutzer als kanonische Seite bestimmt“ heißt, dass Ihre Angabe verworfen wurde. „Duplikat – vom Nutzer nicht als kanonisch festgelegt“ heißt, dass gar keine Angabe vorhanden ist.

Zwei Situationen führen besonders oft zu Problemen. Die erste ist ein Relaunch: Ändert sich die Adressstruktur, zeigen die Angaben oft noch auf die alten Adressen. Das ist tückisch, weil der Fehler nur im Quelltext steht. Die zweite sind Testumgebungen, deren Angaben mit denen der Live-Seite vertauscht werden.

Vorbeugend hilft eine feste Regel für die Adressform. Auf dieser Website gilt: Adressen ohne Schrägstrich am Ende und ohne Dateiendung, abweichende Schreibweisen werden dauerhaft weitergeleitet. Der Canonical Tag sichert dann nur noch ab, was Parameter und Filter erzeugen.

Häufige Fehler

Alle Seiten auf die Startseite zeigen lassen. Ein verbreiteter Einrichtungsfehler, der dazu führt, dass keine Unterseite mehr eigenständig gewertet wird.

Die Angabe aus einer Vorlage übernehmen. Google nennt das ausdrücklich als Fehlerquelle: Wer eine Vorlage kopiert und die Adresse nicht anpasst, verweist auf die Seite des Vorlagenanbieters.

Eine Übersichtsseite auf einen einzelnen Beitrag zeigen lassen. Folgt Google dem Hinweis, fällt die Kategorieseite aus den Ergebnissen, weil die Angabe zugleich die bevorzugte Anzeigeadresse benennt. Die maßgebliche Adresse muss den Inhalt der Variante abdecken.

Auf eine weitergeleitete oder nicht vorhandene Adresse verweisen. Ziel einer Angabe sollte nie eine Fehlerseite oder eine Weiterleitung sein.

Angabe und Weiterleitung widersprechen sich. Wenn die Weiterleitung auf A zeigt und die Angabe auf B, bleibt unklar, was gilt. Alle Signale sollten auf dieselbe Adresse deuten.

Nach dem Relaunch nicht prüfen. Alte Angaben überleben den Umbau erstaunlich oft.

Abgrenzung

Der Canonical Tag ist keine Weiterleitung. Bei einer Weiterleitung landet der Besucher auf einer anderen Adresse, beim Canonical Tag bleibt die Seite erreichbar und nur die Wertung wird gebündelt.

Er ist auch keine Sperre. Wer eine Seite aus dem Index halten will, braucht die Angabe noindex. Google rät davon ab, noindex zur Bündelung von Varianten innerhalb einer Website einzusetzen, weil die Seite damit vollständig aus der Suche fällt. Beides zu kombinieren ist widersprüchlich.

Er ersetzt nicht die robots.txt. Eine dort gesperrte Seite wird nicht abgerufen, ihre Canonical-Angabe also nie gelesen. Wer Varianten bündeln will, muss sie abrufbar lassen.

Und er ist kein Ersatz für hreflang. Sprach- und Länderfassungen sind keine Duplikate. Sie verweisen jeweils auf sich selbst als maßgebliche Adresse und werden über hreflang verknüpft.

Marcel Speckmann

Geschrieben von

Marcel Speckmann

Geschäftsführer der Speckmann Webdesign GmbH in Oldenburg. Ich arbeite an Suchmaschinenoptimierung, KI-Sichtbarkeit und den Websites, die dafür die Grundlage sind. Was hier steht, stammt aus laufenden Projekten, nicht aus Lehrbüchern.

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Häufige Fragen

Das werden wir oft gefragt

Braucht jede Seite einen Canonical Tag?

Google beschreibt die Angabe als optional: Eine Website funktioniert auch ohne sie. Sinnvoll ist sie trotzdem auf jeder Seite, weil sonst Varianten mit angehängten Parametern eigenständig gewertet werden können.

Was passiert, wenn Google meiner Angabe nicht folgt?

Das kommt vor, weil die Angabe ein Hinweis ist und keine Anweisung. Das URL-Prüftool der Search Console zeigt, welche Adresse Google gewählt hat. Weicht sie ab, prüfen Sie, ob die Seiten denselben Inhalt tragen und ob sich Weiterleitung, Sitemap und Canonical-Angabe widersprechen.

Canonical oder Weiterleitung?

Wenn die alte Adresse verschwinden soll, eine dauerhafte Weiterleitung. Wenn beide Adressen erreichbar bleiben müssen, etwa weil Filter oder Kampagnenparameter im Einsatz sind, der Canonical Tag. Beides gleichzeitig auf unterschiedliche Ziele zu richten, ist ein Widerspruch.

Gilt der Canonical Tag auch für PDF-Dateien?

Nicht als Link-Element, denn eine PDF-Datei hat keinen Kopfbereich im HTML-Sinn. Für solche Dateien unterstützt Google einen HTTP-Header mit rel="canonical", den der Server mitsendet.