Definition
hreflang ist eine Auszeichnung für Suchmaschinen, die jeder Sprach- oder Länderfassung einer Seite eine Sprache und optional eine Region zuordnet. Der Wert besteht aus einem Sprachcode nach ISO 639-1 und einem optionalen Regionalcode nach ISO 3166-1 Alpha-2, etwa „de-AT“ für Deutsch in Österreich. Alle Fassungen einer Gruppe müssen dabei auf sich selbst und auf alle anderen Fassungen verweisen. Google nutzt diese Angaben, um Suchenden die passende Fassung auszuspielen statt einer Fassung für ein anderes Land. Die Auszeichnung steht wahlweise im Kopfbereich der Seite, in der XML-Sitemap oder in den HTTP-Kopfzeilen.
Warum das zählt
Für Unternehmen, die den gesamten deutschsprachigen Raum bedienen, ist hreflang ein praktisches Thema. Wer eigene Fassungen für Deutschland, Österreich und die Schweiz betreibt, etwa wegen unterschiedlicher Preise, Lieferbedingungen oder Rechtsangaben, riskiert ohne Auszeichnung zweierlei: dass Besucher auf der falschen Fassung landen und dass die nahezu identischen Fassungen sich gegenseitig Keyword-Kannibalisierung bescheren.
Wichtig ist die Erwartungshaltung. hreflang verbessert keine Platzierung. Es entscheidet nur darüber, welche der bereits platzierten Fassungen einer Suchenden oder einem Suchenden gezeigt wird. Wer mit der Auszeichnung bessere Positionen kaufen will, wird enttäuscht. Wer damit verhindern will, dass ein Kunde aus Zürich die deutschen Preise sieht, liegt richtig.
Wer dagegen nur eine deutschsprachige Fassung für alle drei Länder hat, braucht hreflang nicht. Das ist der häufigere und meist auch der sinnvollere Fall.
Wie es funktioniert
Für jede Fassung wird angegeben, für welche Sprache und optional für welches Land sie gedacht ist. Google akzeptiert dafür drei gleichwertige Wege: Verweise im Kopfbereich der Seite, Einträge in der XML-Sitemap oder Angaben in den HTTP-Kopfzeilen. HTTP-Kopfzeilen sind vor allem für Dateien ohne HTML-Kopf sinnvoll, etwa für PDF-Dokumente.
Im Kopfbereich sieht ein vollständiger Satz für den DACH-Raum so aus:
<link rel="alternate" hreflang="de-DE" href="https://ihre-domain.de/de/">
<link rel="alternate" hreflang="de-AT" href="https://ihre-domain.de/at/">
<link rel="alternate" hreflang="de-CH" href="https://ihre-domain.de/ch/">
<link rel="alternate" hreflang="x-default" href="https://ihre-domain.de/">
Dieser Satz steht identisch auf allen vier Adressen, jede Fassung führt sich also selbst mit auf. In der Sitemap wird derselbe Zusammenhang anders notiert. Dort braucht das Dokument den Namensraum xmlns:xhtml="http://www.w3.org/1999/xhtml", und jeder Eintrag listet alle Varianten als Kindelemente:
<url>
<loc>https://ihre-domain.de/at/</loc>
<xhtml:link rel="alternate" hreflang="de-DE" href="https://ihre-domain.de/de/"/>
<xhtml:link rel="alternate" hreflang="de-AT" href="https://ihre-domain.de/at/"/>
<xhtml:link rel="alternate" hreflang="de-CH" href="https://ihre-domain.de/ch/"/>
</url>
Über Erfolg oder Misserfolg entscheiden vier Regeln.
Die Angaben müssen wechselseitig sein. Verweist Seite X auf Seite Y, muss Seite Y zurück auf X verweisen. Fehlt der Rückverweis, kann Google die Angaben ignorieren oder falsch auslegen. Der Grund ist einfach: Sonst könnte eine fremde Website sich selbst als Fassung Ihrer Seite ausgeben.
Der Sprachcode steht vorn. Ein Ländercode allein ist ungültig, weil Google die Sprache nicht aus dem Land ableitet. Für Belgien heißt es deshalb je nach Zielgruppe nl-be, fr-be oder de-be.
Die Adressen müssen vollständig sein. Erlaubt ist nur die ausgeschriebene Form mit Protokoll, also https://ihre-domain.de/at/ und nicht /at/. Die Fassungen dürfen dabei auf verschiedenen Domains liegen.
x-default fängt den Rest auf. Dieser reservierte Wert benennt die Fassung für alle Sprachen und Regionen, die nicht ausdrücklich abgedeckt sind. Er ist optional, aber bei Länderauswahlseiten sinnvoll.
| Wert | Bedeutung | Anmerkung |
|---|---|---|
de | Deutsch, unabhängig vom Land | Gute Auffangfassung, wenn es mehrere Länderfassungen einer Sprache gibt |
de-DE | Deutsch für Deutschland | Groß- und Kleinschreibung spielt keine Rolle |
de-AT | Deutsch für Österreich | Sprache zuerst, Region danach |
de-CH | Deutsch für die Schweiz | Für französischsprachige Schweizer wäre es fr-CH |
en-GB | Englisch für das Vereinigte Königreich | Offiziell zugewiesen ist GB, nicht UK |
x-default | Auffangfassung für alles Übrige | Reservierter Wert, keine Sprache |
at | ungültig | Ein Regionalcode allein ist keine gültige Angabe |
es-419 | ungültig | 419 steht in keiner der beiden Normen und wird nicht unterstützt |
In der Praxis
Der ehrlichste Rat lautet: Bauen Sie länderspezifische Fassungen nur, wenn es einen inhaltlichen Grund gibt. Unterschiedliche Preise, abweichende Rechtsvorgaben oder ein eigener Vertrieb sind gute Gründe. Ein anderes Impressum allein ist keiner. Der Aufwand wird regelmäßig unterschätzt: Drei Fassungen bedeuten dreifache Pflege bei jeder Änderung, und in der Praxis laufen sie nach einigen Monaten auseinander. Eine gepflegte Fassung ist fast immer besser als drei halb gepflegte. Wenn Sie ohnehin einen Website-Relaunch planen, ist das der richtige Zeitpunkt für diese Entscheidung.
Ist die Entscheidung für getrennte Fassungen gefallen, prüfen Sie nach dem Einbau in dieser Reihenfolge:
- Alle Fassungen einer Seite mit ihren vollständigen Adressen auflisten. Diese Liste ist die Sollvorgabe.
- Auf jeder Fassung den Quelltext öffnen und zählen: Es müssen so viele Verweise vorhanden sein wie Fassungen in der Liste, der Verweis auf die Seite selbst eingeschlossen.
- Die Rückrichtung stichprobenartig prüfen. Nennt die österreichische Fassung die deutsche, muss die deutsche auch die österreichische nennen. Dieser Fehler ist auf einer einzelnen Seite nicht zu sehen, weil sie für sich richtig aussieht.
- Jede genannte Adresse einmal direkt aufrufen. Sie muss mit Statuscode 200 antworten, nicht mit 301 oder 302 und nicht mit einer Fehlerseite.
- Den Canonical Tag jeder Fassung prüfen. Er muss auf die Fassung selbst zeigen, nicht quer auf eine andere Sprachfassung.
- Prüfen, ob die genannten Adressen indexierbar sind. Eine per robots-Anweisung gesperrte Fassung nützt in der Gruppe nichts.
Am Ergebnis erkennen Sie den Erfolg an zwei Stellen. In der Suche eines Landes erscheint die dafür vorgesehene Adresse in den Ergebnissen. Und im Leistungsbericht der Search Console, gefiltert nach Land, entfallen die Impressionen auf die richtige Fassung statt auf die deutsche Startseite. Einen eigenen Fehlerbericht gibt es dafür nicht mehr: Der Bericht „Internationale Ausrichtung“ ist eingestellt, hreflang selbst wertet Google weiterhin aus. Die Prüfung übernimmt heute ein Crawler wie Screaming Frog oder Sitebulb, der die Rückverweise über alle Seiten abgleicht.
Häufige Fehler
Fehlende Rückverweise. Ohne wechselseitige Angaben kann Google die Auszeichnung ignorieren. Das ist der mit Abstand häufigste Fehler, weil er beim Blick auf eine einzelne Seite unsichtbar bleibt.
Nur der Ländercode. at statt de-AT ist ungültig, ebenso die vertauschte Reihenfolge.
Relative Adressen. Verweise ohne Protokoll und Domain werden nicht verarbeitet.
Verweise auf weitergeleitete oder gesperrte Adressen. Die Ziele sollten direkt erreichbar und indexierbar sein.
Canonical quer über Sprachen. Zeigt der Canonical Tag der österreichischen Fassung auf die deutsche, führt Google beide Adressen wieder zusammen. Die Trennung, für die hreflang gebaut wurde, ist damit aufgehoben.
Fassungen ohne Unterschied. Drei identische Seiten für drei Länder erzeugen Pflegeaufwand ohne Nutzen.
Abgrenzung
hreflang ist keine Weiterleitung. Es leitet niemanden um, sondern gibt einen Hinweis darauf, welche Fassung passt. Automatische Weiterleitungen anhand des Standorts sind technisch möglich, aber heikel: Google rät davon ab, Nutzer selbsttätig von einer Sprachfassung auf eine andere umzuleiten, weil Nutzer und Suchmaschinen so nicht alle Fassungen zu sehen bekommen.
hreflang ist auch kein Ersatz für den Canonical Tag. Beide arbeiten zusammen: Der Canonical Tag zeigt innerhalb einer Fassung auf die maßgebliche Adresse, hreflang verbindet die Fassungen untereinander.
Und hreflang ist keine Sprachdeklaration. Google bestimmt die Sprache einer Seite nach eigenen Angaben algorithmisch aus dem Inhalt und nutzt dafür weder hreflang noch das HTML-Attribut lang. Das lang-Attribut bleibt trotzdem sinnvoll, weil Screenreader und Browser sich daran orientieren. Es beschreibt die Sprache eines Dokuments, hreflang beschreibt das Verhältnis mehrerer Dokumente zueinander.

Geschrieben von
Marcel Speckmann
Geschäftsführer der Speckmann Webdesign GmbH in Oldenburg. Ich arbeite an Suchmaschinenoptimierung, KI-Sichtbarkeit und den Websites, die dafür die Grundlage sind. Was hier steht, stammt aus laufenden Projekten, nicht aus Lehrbüchern.
Dazu passt
Das technische Fundament ist der Teil der Arbeit, den niemand sieht und ohne den nichts wirkt. Wie wir vorgehen, steht auf der Leistungsseite.