Links ein ungeordneter Papierhaufen, rechts ein sauber gestapelter Block, Sinnbild für einen Website-Relaunch

Warum Sichtbarkeit überhaupt verloren geht

Eine Website besteht für Google nicht aus einem Auftritt, sondern aus vielen einzelnen URLs, von denen jede eigene Bewertungen und eigene Verweise hat. Bei einem Relaunch ändern sich meist drei Dinge gleichzeitig: die Adressen, die Struktur und die Texte.

Jede dieser Änderungen kostet für sich genommen Sichtbarkeit, wenn sie nicht abgesichert wird. Zusammen führen sie zu dem typischen Bild: Die neue Seite ist schöner, schneller und moderner, und die Anfragen bleiben aus.

Besonders bitter ist der Verlust von Verweisen. Wenn ein Fachmedium vor Jahren auf Ihren Ratgeberartikel verlinkt hat und diese Adresse nach dem Relaunch ins Leere führt, ist der Wert dieses Verweises weg. Der Verlinkende wird ihn nicht aktualisieren.

Vor dem Umschalten: die Bestandsaufnahme

Bevor irgendetwas gebaut wird, brauchen Sie eine vollständige Liste dessen, was Sie haben.

Alle URLs erfassen, die aktuell existieren, aus der Search Console, aus einem Crawl der Website und aus der Sitemap. Diese drei Quellen überschneiden sich, decken aber jeweils Fälle ab, die die anderen übersehen.

Nach Wert sortieren. Welche Seiten bringen Klicks? Welche haben Verweise von außen? Diese beiden Listen sind wichtiger als die Frage, welche Seiten Ihnen gefallen. Eine unscheinbare Ratgeberseite mit fünf Verweisen ist wertvoller als eine repräsentative Übersichtsseite ohne.

Zuordnung festlegen. Für jede alte URL eine neue bestimmen, thematisch möglichst nah. Wo es keine Entsprechung gibt, die nächstverwandte Seite wählen, nicht die Startseite.

Beim Umschalten: die technische Absicherung

301 statt 302. Eine 301 signalisiert eine dauerhafte Verschiebung und überträgt den Wert. Eine 302 ist vorübergehend und tut das nicht zuverlässig. Google empfiehlt in derselben Migrationsdokumentation ausdrücklich dauerhafte Weiterleitungen, wenn sich die Adressen ändern. Dieser Unterschied kostet regelmäßig Sichtbarkeit, weil Systeme standardmäßig 302 setzen.

Keine Ketten. Alte Adresse direkt auf die finale neue Adresse, nicht über zwei Zwischenstationen. Jede Station kostet Wert und Ladezeit.

Weiterleitungen vorher testen. Auf einer Testumgebung, mit der vollständigen Liste. Danach ist es zu spät, denn dann sind die alten Adressen bereits nicht mehr erreichbar.

Sitemap und interne Verweise aktualisieren. Interne Links sollten direkt auf die neuen Adressen zeigen, nicht über Weiterleitungen laufen.

Indexierung freigeben. Prüfen, dass die Testumgebung nicht versehentlich indexiert wird und die neue Seite nicht versehentlich gesperrt bleibt. Eine vergessene Sperrung in der robots.txt ist ein Klassiker mit erheblicher Wirkung.

Die Prüfpunkte am Umschalttag

PrüfpunktWarum wichtigHäufiger Fehler
301 statt 302Überträgt den Wert der Seite dauerhaftDer Server setzt von sich aus eine 302
Keine WeiterleitungskettenSpart Wertverlust und LadezeitA führt auf B, B erst auf C
robots.txt und noindex prüfenSperren der Testumgebung dürfen nicht mitwandern„Disallow: /“ bleibt versehentlich stehen
Sitemap erneuernZeigt Google die neuen AdressenDie alte Sitemap bleibt in der Search Console
Interne Links direkt setzenSpart pro Klick eine WeiterleitungDas Menü verweist weiter auf alte Pfade

Nach dem Umschalten: die ersten vier Wochen

Ein Rückgang direkt nach dem Livegang ist normal. Google muss die neuen Adressen erst erfassen und bewerten. Üblich sind zwei bis sechs Wochen, bis sich die Werte stabilisieren, bei großen Websites länger.

Was Sie beobachten sollten: Indexierungsfehler in der Search Console, insbesondere 404-Meldungen. Jede davon ist eine vergessene Weiterleitung. Dazu die Entwicklung der Klicks je Seite im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, nicht zum Vormonat, um saisonale Effekte auszuschließen.

Was Sie nicht tun sollten: In den ersten Wochen weitere große Änderungen. Wenn Sie gleichzeitig umbauen und beobachten, können Sie Ursachen nicht mehr trennen.

Wenn nach acht Wochen die Werte deutlich unter dem alten Niveau liegen, liegt es in der Mehrzahl der Fälle an unvollständigen Weiterleitungen oder daran, dass die neue Struktur Inhalte zusammengelegt hat, die vorher eigene Seiten mit eigenem Suchvolumen waren.

Marcel Speckmann

Geschrieben von

Marcel Speckmann

Geschäftsführer der Speckmann Webdesign GmbH in Oldenburg. Ich arbeite an Suchmaschinenoptimierung, KI-Sichtbarkeit und den Websites, die dafür die Grundlage sind. Was hier steht, stammt aus laufenden Projekten, nicht aus Lehrbüchern.

Mehr über meine Arbeit →

Dazu passt

Wie wir Websites so bauen, dass beim Umzug nichts verloren geht, steht auf der Seite zum Webdesign.

Zur Seite Webdesign →

Häufige Fragen

Das werden wir oft gefragt

Wie lange muss ich Weiterleitungen behalten?

Mindestens ein Jahr, besser dauerhaft. Google folgt Weiterleitungen über lange Zeiträume, und externe Verweise auf alte Adressen verschwinden nie ganz. Weiterleitungen kosten nichts außer einer Zeile in der Serverkonfiguration.

Kann ich beim Relaunch die URL-Struktur ändern?

Ja, wenn es einen Grund gibt und Sie sauber weiterleiten. Ändern Sie sie nicht ohne Grund. Jede Änderung kostet kurzfristig Sichtbarkeit, und der Nutzen einer schöneren Adresse ist meist geringer als das Risiko.

Sollte ich alte Inhalte übernehmen oder neu schreiben?

Übernehmen Sie, was funktioniert. Seiten mit Klicks oder Verweisen sollten inhaltlich erhalten bleiben, auch wenn Design und Struktur neu sind. Neu schreiben Sie dort, wo Inhalte veraltet sind oder nie funktioniert haben.

Wie lange dauert es, bis sich die Sichtbarkeit wieder stabilisiert?

In der Regel zwei bis sechs Wochen, bei großen Websites länger. Google muss die neuen Adressen erst abrufen, neu bewerten und die alten Signale übertragen. Den Ablauf beschreibt Google in seiner Dokumentation zu Umzügen. Wichtig ist, in dieser Zeit keine weiteren großen Änderungen vorzunehmen, sonst lassen sich Ursache und Wirkung nicht mehr trennen.

Reicht es, alle alten Adressen auf die Startseite umzuleiten?

Nein. Google wertet das in der Regel als Soft-404, der Wert der alten Seite geht damit verloren. Jede alte Adresse braucht ein inhaltlich passendes Ziel. Nur wo es wirklich keine Entsprechung gibt, ist die übergeordnete Kategorieseite die zweitbeste Wahl, niemals aber die Startseite als Standardlösung.

Nächster Schritt

Wo stehen Sie bei Google
und in der KI?

Im Erstgespräch sehen wir uns Ihre Sichtbarkeit gemeinsam an: was bei Google läuft, ob die Modelle Sie kennen und wo der größte Hebel liegt. 30 Minuten, kostenlos, ohne Verpflichtung.

Erstgespräch vereinbaren