
Sie brauchen kein Google-Ranking dafür
Das überrascht die meisten: 44 Prozent der Quellen, die Google in AI Overviews zitiert, ranken für dieselbe Suchanfrage nicht in den organischen Top 20. Die Zahl stammt aus einer Auswertung von 362.000 US-Suchanfragen durch seoClarity vom 12. Oktober 2025, die insgesamt 5,1 Millionen Zitate erfasst hat.
Dieselbe Auswertung zeigt, wie wenig ein Spitzenplatz garantiert. Eine URL auf Position 1 wurde in 43 Prozent der Fälle mitzitiert, eine URL auf Position 20 nur noch in 7 Prozent. Und der Anteil klassischer Treffer schrumpft: Im Oktober 2025 enthielt ein AI Overview im Schnitt drei URLs aus den organischen Top 20. Bei der gleichen Erhebung im Mai 2025 waren es noch fünf.
Für Unternehmen mit schwacher Google-Sichtbarkeit ist das die wichtigste Nachricht überhaupt. Sie können in KI-Antworten auftauchen, lange bevor Sie bei Google vorne stehen.
Umgekehrt heißt das auch: Ein gutes Google-Ranking allein garantiert keine Nennung. Wer auf Platz 1 steht, aber nur wirbt statt zu erklären, liefert einem Modell nichts, was es weitergeben könnte.
Ein Gedanke, ein Abschnitt
KI-Systeme zerlegen Texte in Sinneinheiten und rufen einzelne davon ab. Dieses Verfahren heißt Chunking. Es ist der Grund, warum die Seite als Ganzes weniger zählt als ihr bester Abschnitt. Beim Beantworten holt sich das Modell passende Passagen und formuliert daraus einen Text, ein Ablauf, der als Retrieval Augmented Generation bekannt ist.
Daraus folgt die praktisch wichtigste Regel: Jeder Abschnitt beantwortet genau eine Frage vollständig und bleibt auch isoliert verständlich. Beantwortet ein Abschnitt zwei Fragen, teilen Sie ihn. Braucht er den vorherigen Absatz, um Sinn zu ergeben, lässt er sich nicht herauslösen.
Ein Absatz, der mit „Wie bereits erwähnt“ beginnt, fällt deshalb aus. Ebenso Formulierungen wie „das dauert seine Zeit“ oder „die Kosten variieren je nach Projekt“. Sie enthalten nichts, was ein Modell weitergeben könnte.
Der Unterschied im Original: „Die Bearbeitungszeit hängt vom Umfang ab“ ist nicht verwertbar. „Ein Angebot liegt in der Regel innerhalb von drei Werktagen vor, bei Sonderanfertigungen innerhalb von zehn“ ist es. Beide Sätze meinen dasselbe. Nur der zweite lässt sich in eine Antwort übernehmen, ohne dass jemand nachrecherchieren muss.
Ebenso wichtig ist die Position innerhalb der Seite. Die Antwort gehört nach oben, nicht ans Ende einer langen Hinführung. Beginnen Sie mit dem Ergebnis, liefern Sie die Begründung danach. Das widerspricht dem, was viele im Deutschunterricht gelernt haben, ist aber für Maschinen wie für eilige Leser die bessere Reihenfolge.
Konkrete Zahlen und benannte Quellen
Modelle bevorzugen Inhalte, die sich überprüfen lassen. Die blinq-Auswertung beschreibt den Vorgang so: Unternehmensinhalte bilden die Datenbasis, externe Quellen dienen dem Abgleich. Ein Text, der seine Aussagen selbst belegt, übersteht diesen Abgleich eher. Vier Merkmale erhöhen die Zitierfähigkeit spürbar.
Konkrete Zahlen. „Deutlich günstiger“ ist wertlos, „zwischen 500 und 3.500 Euro monatlich“ ist verwertbar. Eine Zahl im ersten Absatz gibt dem Modell etwas, das es wörtlich übernehmen kann, ohne den Sinn zu verändern.
Benannte Fremdquellen im Text. Wer eine Zahl nennt, nennt auch, woher sie stammt, mit Datum und Stichprobe. Das erleichtert dem Modell den Abgleich und ist zugleich ein Signal für E-E-A-T, also für Erfahrung, Fachkunde, Autorität und Vertrauenswürdigkeit.
Wörtliche Zitate mit Namen. Ein Zitat mit Name, Funktion und Unternehmen gibt einem Modell etwas Konkretes zum Weitergeben. Für die meisten Unternehmen kostet das nichts, weil Kundenstimmen und Aussagen aus dem eigenen Haus ohnehin vorliegen.
Ein sichtbares Datum. Eine Seite ohne Veröffentlichungs- oder Aktualisierungsdatum lässt sich zeitlich nicht einordnen. Bei Fragen, deren Antwort sich ändert, also bei Preisen, Fristen oder Normen, ist das Datum oft der Unterschied zwischen zitiert und übergangen.
Erwähnungen außerhalb der eigenen Website
Das restliche Drittel der Zitate stammt aus externen Quellen, und hier gilt eine andere Logik als bei Google. Eine Ahrefs-Analyse über 75.000 Marken zeigt: Erwähnungen ohne Link korrelieren mit KI-Sichtbarkeit bei r = 0,664, klassische Backlinks nur bei r = 0,218. Der Zusammenhang ist bei Erwähnungen also rund dreimal so stark wie bei Links.
Der Grund liegt in der Funktionsweise: Modelle lernen statistische Verbindungen zwischen Begriffen. Wenn Ihr Firmenname wiederholt im selben Text mit Ihrem Fachgebiet auftaucht, entsteht diese Verbindung, ganz ohne Verlinkung. Ihr Unternehmen wird zu einer Entität, die das Modell mit einem Thema verknüpft.
Praktisch heißt das: Fachbeiträge, Interviews, Vergleichslisten und Verzeichnisse zahlen stärker ein als klassischer Linkaufbau. Die blinq-Auswertung zeigt auch, welche Plattformen am häufigsten als Quelle dienen. Unter den am häufigsten zitierten Domains führen youtube.com mit 15,18 Prozent und reddit.com mit 14,55 Prozent, gefolgt von wikipedia.org mit 9,05 Prozent und linkedin.com mit 7,12 Prozent. Innerhalb der Nachrichtenseiten liegt welt.de mit 17 Prozent vorn, das Handelsblatt folgt mit 12,2 Prozent.
Im B2B-Umfeld kommen Bewertungsportale dazu. blinq nennt omr.com, g2.com und kununu.com als die Plattformen, auf die Modelle zurückgreifen, wenn nach Anbietern oder Arbeitgebern gefragt wird. Bei Vergleichsfragen nach dem Muster „Welcher Anbieter ist der beste für X“ bedienen sich die Systeme bevorzugt aus solchen Listen und Portalen. Wer dort nicht steht, wird bei dieser Art Frage seltener genannt, unabhängig von der eigenen Website.
Die fünf Hebel im Überblick
| Hebel | Wirkung | Aufwand |
|---|---|---|
| Technischer Zugang für Crawler | Ohne ihn bleibt jede weitere Maßnahme wirkungslos | Niedrig, einmalig |
| Eigene Inhalte (Blog, Ratgeber) | 66,2 % aller KI-Zitate stammen daraus | Mittel bis hoch |
| Antwort am Anfang der Seite | Der Abschnitt wird einzeln abgerufen, ohne Kontext davor | Niedrig, nur Umbau |
| Konkrete Zahlen und Quellen | Übersteht den Abgleich mit Drittquellen | Niedrig, wenn die Daten vorliegen |
| Erwähnungen außerhalb, ohne Link | Korrelation r = 0,664 mit KI-Sichtbarkeit | Hoch, dafür ist Pressearbeit nötig |
Was Google offiziell verlangt
Google hat zu diesem Thema eine eigene Dokumentationsseite, und sie fällt nüchterner aus, als der Markt es erwartet. In der Google-Dokumentation zu KI-Funktionen in der Suche steht wörtlich, es gebe „no additional requirements to appear in AI Overviews or AI Mode, nor other special optimizations necessary“. Übersetzt: keine zusätzlichen Anforderungen, keine Sonderoptimierung.
Drei Punkte daraus sind praktisch wichtig. Erstens die technische Voraussetzung. Eine Seite muss indexiert sein und in der Suche mit einem Snippet ausgespielt werden dürfen. Wer Snippets unterdrückt, schließt sich damit auch aus den KI-Antworten aus. Eine einzige Zeile im Kopf der Seite reicht dafür:
<meta name="robots" content="max-snippet:0">
Dieselbe Wirkung haben die Anweisungen nosnippet und data-nosnippet. Prüfen Sie also, ob solche Zeilen aus einem alten Relaunch noch in Ihren Vorlagen stehen.
Zweitens die Entwarnung bei den Dateiformaten. Google schreibt, man brauche keine neuen maschinenlesbaren Dateien, keine KI-Textdateien und kein besonderes schema.org-Markup, um in diesen Funktionen zu erscheinen. Wer also überlegt, ob eine llms.txt nötig ist: für Google nicht. Schema.org-Auszeichnung bleibt für Rich Snippets sinnvoll, ist aber keine Eintrittskarte in AI Overviews. Wichtig ist laut Google nur, dass die strukturierten Daten zum sichtbaren Text passen.
Drittens erklärt Google, warum plötzlich Seiten auftauchen, die für die eigentliche Suchanfrage nie ranken würden. Das Verfahren heißt „query fan-out“: Das System zerlegt eine Frage in mehrere Teilsuchen zu Unterthemen und Datenquellen und sammelt dafür jeweils eigene Belege. Wer eine dieser Teilfragen sauber beantwortet, kann als Quelle auftauchen, auch wenn er zur Hauptfrage nichts beiträgt.
Der technische Zugang für ChatGPT
Bei Google entscheidet die normale Indexierung. Bei ChatGPT gibt es eine zweite Tür, und die steht nicht bei jedem offen. Laut der OpenAI-Dokumentation zu Crawlern betreibt OpenAI mehrere getrennte Zugriffswege, die sich einzeln in der robots.txt steuern lassen.
| User-Agent | Zuständig für | Wenn gesperrt |
|---|---|---|
| OAI-SearchBot | Die Suchfunktion in ChatGPT | Keine Anzeige in den Suchantworten von ChatGPT |
| GPTBot | Das Training der Modelle | Inhalte fließen nicht in künftige Modelle ein |
| ChatGPT-User | Vom Nutzer ausgelöste Seitenaufrufe | Kein automatisches Crawling, robots.txt greift hier laut OpenAI möglicherweise nicht |
Die Einstellungen sind unabhängig voneinander. Sie können die Suche also erlauben und das Training zugleich untersagen. In der robots.txt sieht das so aus:
User-agent: OAI-SearchBot
Allow: /
User-agent: GPTBot
Disallow: /
Zwei Details dazu. OpenAI empfiehlt ausdrücklich, OAI-SearchBot zuzulassen, damit die eigene Seite in den Suchergebnissen von ChatGPT erscheinen kann. Und Änderungen wirken nicht sofort: Nach einer Anpassung der robots.txt dauert es laut Dokumentation rund 24 Stunden, bis die Systeme sie berücksichtigen.
Prüfen Sie deshalb vor allem anderen, ob das Crawling überhaupt erlaubt ist. Eine Sperre in der robots.txt, eine restriktive Firewall oder ein Bot-Schutz beim Hosting machen jede inhaltliche Arbeit wirkungslos. Google nennt genau diesen Punkt an erster Stelle seiner Empfehlungen: Das Crawling muss in der robots.txt und in der Hosting-Infrastruktur erlaubt sein.
Der Ablauf in sechs Schritten
Aus den Befunden ergibt sich eine Reihenfolge. Sie beginnt technisch, weil alles Weitere sonst ins Leere läuft, und endet bei der Arbeit außerhalb der eigenen Website, die am längsten dauert.
- Zugang prüfen. robots.txt gegen die Crawler von Google und OpenAI abgleichen, die Indexierung in der Search Console kontrollieren, Snippet-Sperren in den Seitenvorlagen suchen. Ein halber Tag, einmalig.
- Fragen sammeln. Schreiben Sie die Fragen auf, die Ihre Kunden im Verkaufsgespräch tatsächlich stellen. 30 bis 50 Fragen reichen als Grundstock. Diese Liste ist später zugleich Ihr Messinstrument.
- Bestand zuordnen. Zu jeder Frage die Seite suchen, die sie beantwortet. Fragen ohne Seite sind Ihre Themenliste. Seiten, zu denen keine Frage passt, sind Kandidaten für die Streichung.
- Abschnitte umbauen. Antwort nach oben, ein Gedanke je Abschnitt, Zwischenüberschriften als Frage formulieren. Für eine bestehende Ratgeberseite rechnen Sie mit ein bis zwei Stunden.
- Belege ergänzen. Zahlen, Datum, Quelle, ein Zitat mit Namen. Das ist der Schritt, der am meisten Recherche kostet und deshalb am häufigsten ausgelassen wird.
- Erwähnungen aufbauen. Fachbeiträge, Interviews, Bewertungsportale, Branchenverzeichnisse. Dieser Teil lässt sich nicht in Wochen abschließen und läuft dauerhaft mit.
Die ersten fünf Schritte betreffen ausschließlich Ihre eigene Website und liegen vollständig in Ihrer Hand. Das ist der Grund, warum sie zuerst kommen: Sie decken den Bereich ab, aus dem laut der blinq-Auswertung 66,2 Prozent aller zitierten Quellen stammen.
Wie Sie den Erfolg messen
Eine saubere Messung gibt es bisher nicht. Es gibt drei brauchbare Annäherungen, die sich ergänzen.
Search Console. Google weist AI Overviews und AI Mode nicht getrennt aus. Beide fließen laut der Google-Dokumentation in die Gesamtzahlen des Leistungsberichts unter dem Suchtyp „Web“ ein. Impressionen und Klicks aus KI-Antworten stecken also in Ihren normalen Werten, ohne dass Sie sie herauslösen können. Google gibt allerdings an, dass Klicks von Ergebnisseiten mit AI Overviews hochwertiger seien, weil Nutzer danach länger auf der Seite bleiben.
Webanalyse. Besuche aus ChatGPT oder Perplexity erscheinen in Ihrer Analyse als Verweise von chatgpt.com beziehungsweise perplexity.ai. Die Zahlen sind meist klein. Sie zeigen aber, ob überhaupt jemand aus einer KI-Antwort heraus zu Ihnen klickt.
Prompt-Sets. Die Fragenliste aus Schritt 2 wird zum Testverfahren. Sie stellen dieselben Fragen regelmäßig in mehreren Systemen und zählen, wie oft Ihr Unternehmen genannt wird. Daraus ergibt sich eine belastbare Prompt-Sichtbarkeit und, über viele Fragen hinweg, ein Share of Model. Einzelne Stichproben taugen dafür nicht, weil Modelle nicht deterministisch antworten. Dieselbe Frage kann zweimal hintereinander verschiedene Quellen liefern.

Geschrieben von
Marcel Speckmann
Geschäftsführer der Speckmann Webdesign GmbH in Oldenburg. Ich arbeite an Suchmaschinenoptimierung, KI-Sichtbarkeit und den Websites, die dafür die Grundlage sind. Was hier steht, stammt aus laufenden Projekten, nicht aus Lehrbüchern.
Dazu passt
Wie wir diese Arbeit systematisch aufsetzen, von der Messung bis zu den Erwähnungen, steht auf der Seite zur KI-Sichtbarkeit.